Mit einem Bein im Knast

Thomas Jannot in PC-ONLiNE 1995-02

Wie sich die Zeiten doch ändern. Es war einmal, da mußte man zwangsläufig das Gesetz übertreten, wenn man einfach nur ein wenig telekommunikativen Luxus genießen wollte, ohne gleich ein Vermögen dafür auszugeben. Amtlich zugelassene Modems, schnurlose Telefone und bessere Anrufbeantworter kosteten weit über 1000 DM und taugten dennoch nicht viel.

Die etwas cooleren High-Tech-Freaks kauften hemmungslos Importe oder schmuggelten Technics aus Taiwan oder Übersee durch den Zoll und hofften darauf, daß ihre Nachbarn sie nicht verpetzten. Das ging eine ganze Weile gut.

Doch schon bald beschlagnahmten übereifrige Staatsanwälte die vertraulichen Kundenkarteien einschlägiger Import-Export-Läden und filzten bundesweit private Wohnungen nach sogenannten illegalen Modems und ähnlichen Schwerverbrecher-Utensilien.

In diesen Zeiten war es kaum möglich, der lieben Oma von nebenan zu erklären, daß die drei bewaffneten (?) Beamten während der nächtlichen Hausdurchsuchung nicht nach Rauschgift fahndeten, sondern überprüften, ob der Verdächtige doch tatsächlich ein Billig-Modem ohne Bundesadler für seine nächtlichen Streiftouren durchs Internet an der hoheitlichen TAE-Dose der Deutschen Bundespost Telekom angeschlossen hatte.

Stellen Sie sich das mal vor: Während das organisierte Verbrechen in den neuen Bundesländern generalstabsmäßig Milliardenbeträge erbeutete, und schmierige Gauner ahnungslosen Menschen für viel Geld überzogene Versicherungen und anderen Wohlstandsmüll aufschwatzten, waren an einem Tag mindestens sechs Beamte allein damit beschäftigt, unter anderen auch meine Privatwohnung und mein Büro in der Redaktion laut beglaubigter Abschrift des Durchsuchungsbefehls nach „nicht genehmigungsfähigen beziehungsweise nicht postzugelassenen Fernmeldeanlagen (insbesondere Modems)“ zu durchsuchen und „als Beweismittel für anhängige Ermittlungsverfahren“ zu beschlagnahmen. Gemessen an der Zahl der Hilferufe unserer Leser, denen ähnliches widerfuhr, muß dies von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen tausendfach geschehen sein.

Bei mir mußten sie in beiden Fällen unverrichteter Dinge wieder abziehen. Nicht, weil ich das kriminelle Werkzeug nicht mehr hatte, sondern weil ein Beamter – ein Experte vom Zulassungsamt BAPT – zunächst einen CD-Player am PC, der wohl irgendwie einem Zyxel ähnelte, für das Corpus delicti hielt und dem Bundesadler auf meinem damals nagelneuen D-Netz-Handy nicht traute.

Schließlich wurden auch meine Modems entdeckt – als ausgemusterte Grafikkarten getarnt. Doch weil der Besitz allein nicht strafbar ist, und wenigstens ein Beamter, dem das alles offensichtlich zu blöd war, sich bei mir auch noch dafür entschuldigte, daß er ja schließlich nur seinen ihm aufgehalsten Job mache, ließen sie mich ungeschoren. Kurz nach sieben Uhr morgens war der ganze Spuk vorbei.

Andere Delinquenten hatten zunächst weniger Glück. Bei einem unserer Autoren wurde das ebenfalls nicht am öffentlichen Telefonnetz angeschlossene Modem vorsorglich konfisziert. Erst auf eine Eingabe hin, in der jener Autor auf die Zurückgabe seiner Hardware bestand, gaben die Kommissare nach und gestatteten die Abholung nach Hause.

Inzwischen wurden und werden die meisten Ermittlungsverfahren wieder eingestellt. Und die verantwortlichen Staatsanwälte kümmern sich nun hoffentlich um wirkliche Verbrecher.

Nicht weil der Anschluß von nicht zugelassenen Endgeräten an das öffentliche Telefonnetz nicht mehr strafbar, oder nur ein Kavaliersdelikt sei, sondern, weil es keinen Grund mehr gibt, sich mit „illegalen“ Modems überhaupt herumzuärgern. Das haben inzwischen auch erfahrene wie potentielle Inquisiteure gelernt – lesen, hören und sehen sie doch nahezu täglich in Nachrichtenmagazinen und Rundfunksendungen, daß Online-Verbindungen inzwischen zum guten Ton gehören.

Es lohnt sich ganz einfach nicht mehr, Billigimporte ohne amtlichen Segen zu kaufen, weil zugelassene Modems auch nicht mehr die Welt kosten – lange genug hat es gedauert.

PS: Dieser Beitrag ist eine 1:1-Abschrift nach alter Rechtschreibung. Das gedruckte Original erschien im Januar 1995 in PC-ONLiNE 2/1995.

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Lust und Frust mit Software

Thomas Jannot in Computer persoenlich 1992-20

Als Kommandozeilen-Fetischist habe ich viele Jahre mit nahezu sämtlichen DOS-Versionen meine Erfahrungen gesammelt. Menüoberflächen waren für mich tabu. Bis ich ihnen beigebracht habe, was ich eigentlich wollte, hatte ich mit zehn Fingern blind längst meine Befehle inklusive diverser Parameter eingegeben. Auch Windows 3.0, das mir auf den ersten Blick recht gut gefiel, putzte ich bald wieder von der Platte, weil mir der Dateimanager einfach auf die Nerven ging.

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Holländer schwören auf deutsche Tipps

Keine Sorge – wir schreiben deutsch. „200 Utilities für PC-/MS-DOS“ heißt das Buch, das es hier scheibchenweise zu lesen gibt. Es war Anfang der 1990er Jahre ein Bestseller, über den die Süddeutsche Zeitung berichtete.

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Die Meldung war damals kräftiger Rückenwind für die Autoren des Buches. Die „Tipps, Tricks und Tools nicht nur für Freaks“ sind heutzutage bestenfalls ein Thema für PC-Veteranen, Computer-Nostalgiker und Freunde der Kommandozeile.

Die lehrreichen Kapitel zur Hardcore-Programmierung des Intel-Prozessors 8086 funktionieren zum Teil heute noch. Der Journalist Martin Goldmann hat es ausprobiert und in seinem Blogdarüber berichtet.

In Windows XP ist es die so genannte Eingabeaufforderung CMD, über die einige der 200 „gnadenlos optimierten“ Debug-Programme ausführbar sind. Windows-Anwender klicken auf Start / Ausführen und geben anschließend „CMD“ ein. Sie erhalten ein DOS-Fenster, das Ende der 1980er Jahr auch in den Niederlanden ganz normal war.

200 Utilities waren ein Bestseller

Eine Sammlung bewährter Kurz-Utilities für DOS ist das Buch „200 Utilities für PC-/MS-DOS“. Von Profis für Profis und solche, die es werden wollen. Mit den besten Tipps & Tricks aus PC Magazin PLUS. Geschrieben 1989 von Gerhard Schild und Thomas Jannot. Erschienen 1990 im Verlag Markt & Technik. Kurz darauf wurde es ins Niederländische übersetzt.

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„200 Utilities für PC-/MS-DOS“ wendet sich in erster Linie an alle Anwender, denen der standardmäßige Befehlsumfang des Betriebssystems MS- bzw. PC-DOS nicht genügt. Das Buch ist eine stark verbesserte Erweiterung der erfolgreichen Rubrik »Tips & Tricks« in der Fachzeitschrift PC Magazin PLUS. Der Leser kann jeden einzelnen der über 200 Tips in diesem Buch ohne besondere Hilfsmittel in durchschnittlich 10 Minuten ausprobieren, auch wenn er ein weniger erfahrener PC-Anwender ist. Während sich Einsteiger am Ergebnis eines Tips erfreuen können und einen Einblick in die professionelle Maschinen-Programmierung gewinnen, dürfen Profis über die in aller Regel bis auf das letzte Bit optimierten Routinen staunen. Zur Auswertung der Listings braucht der Leser nichts weiter als den DOS-Befehl DEBUG und wenn möglich – aber nicht unbedingt – einen einfachen Texteditor, mit dem er die Programme im IBM-ASCII-Format abspeichern kann. Notfalls hilft der Zeileneditor EDLIN weiter, der sich gemeinsam mit DEBUG zu 99,99 Prozent auf jeder zum PC-Lieferumfang gehörenden Systemdiskette befindet.

Sämtliche Tips zeichnen sich durch extreme Kürze aus und ergeben dennoch hochwirksame und komfortable Programme. Das Repertoir reicht von flexiblen Eingabeprogrammen für Stapeljobs über bewährte Unix-Befehle, Filter und Einheitentreiber bis zum vollfunktionsfähigen Terminal-Programm in Mini. Ein Allround-Maskengenerator, automatisches Wiederwahlprogramm für Telefone und Weckerfunktionen fehlen ebensowenig wie ein Verschlüsselungsprogramm oder Tastendruck-Simulator und vieles andere mehr.

Hardware-Anforderungen: IBM-PC/XT/AT oder PS/2 bzw. dazu Kompatibler.

Software-Anforderungen: PC-/MS-DOS, Version 3.0 oder höher (Version 3.3 empfohlen) sowie der zugehörige DOS-Befehl DEBUG.

GERHARD SCHILD wurde 1969 in München geboren. 1988 schloß er seine Schulzeit mit Abitur ab. Noch während dieser Zeit beschäftigte er sich mit dem Bau und der Programmierung verschiedener Computersysteme. Er wurde innerhalb kürzester Zeit C- und Assembler-Experte. Zur Zeit leistet er seinen Zivildienst und ist seit über einem Jahr war Stammautor der Fachzeitschrift PC Magazin PLUS.

THOMAS JANNOT wurde 1965 in Merseburg in der Nähe von Halle/Saale geboren. Nach seiner Schulzeit siedelte er 1984 in die Bundesrepublik über und begann während seiner Ausbildung zum Bürokaufmann mit der Programmierung von individuellen Anwendungen in Cobol. Er wirkte bei mehreren Projekten in verschiedenen Firmen als Organisator und Programmierer mit und ist seitwar 1988 Redakteur bei PC Magazin PLUS.