Ein Prosit der Digitalisierung!

Gerade ist wieder eine it-sa vorbei, und wieder war sie größer und besser besucht als die letztjährige Messe. In nicht ganz zehn Jahren hat sich die it-sa unter den Security-Messen dermaßen nach vorne gespielt, dass heute keiner aus der Branche mehr daran vorbeikommt.

Sogar die ersten Ableger gibt es schon: in São Paulo (Brasilien) und in Mumbai (Indien). „Gemessen an der Ausstellerzahl haben wir die größte Schau der Welt“, konnte Geschäftsführer Dr. Roland Fleck stolz der Süddeutschen Zeitung berichten. Die einstige Münchner Systems ist dagegen fast schon vergessen, aus deren Sicherheitssparte die it-sa hervorging. Nürnberg hat offenbar vieles richtig gemacht, aber auch München und Augsburg bleiben als Standorte für Aussteller dran. Was Bayern insgesamt an digitalrelevanten Messen zu bieten hat, schildert Dirk Bongardt in seinem Special ab Seite 8.

Auch sonst ist der Süden technologisch ganz gut auf Erfolgskurs, und das zum Glück unabhängig davon, welche Parolen die Politik gerade ausgibt. Das zeigen sowohl die ambitionierten Smart-City-Projekte in München, Ingolstadt, Augsburg und Ulm oder im Allgäu (Seite 4) als auch die Start-up-Gründerzentren, die landesweit wie Pilze aus dem Boden schießen. Eine systematische Übersicht über die wichtigsten Kreativquartiere, IoT-Campusse und Technologiezentren finden Sie in dieser Beilage ab Seite 17.

Für die Kommunen ist das pure Standortförderung. Die jungen Start-ups profitieren von (unternehmerischer) Erfahrung und davon, dass sie ihre Anwendungen zum Beispiel unter Produktions- bedingungen demonstrieren können. Viele dieser Zentren suchen gezielt die Nähe zu Hochschulstandorten, um Innovationen, die aus der dortigen Forschung entstehen, auf dem kürzesten Weg markttauglich zu machen und ersten Zugriff auf junges Know-how zu bekommen – und auf die entsprechenden Fachkräfte.

Dabei lebt speziell die Landeshauptstadt HR-mäßig auf großem Fuß. Es wollen einfach alle in den Süden. Man kann es vielleicht so sagen: Wenn ein Programmierer bundesweit die Job-Angebote sichtet und eines davon kommt aus München, dann läuft es wohl auf München hinaus. Welche Recruiting-Faktoren im Standortvergleich die entscheidende Rolle spielen, hat Mehmet Toprak in seinem Fachkräftebeitrag untersucht (Seite 15): Nicht einmal die horrenden Mietpreise können derzeit die IT-Spezialisten davon abschrecken, nach München zu ziehen. Die Landeshauptstadt verspricht eine exzellente Work-Life-Balance, punktet mit hohem Freizeitwert, und die verheißungsvolle Nähe der Alpenkette lässt die Arbeit am Code wie Sommerfrische erscheinen.

Doch selbst die Sommerfrische hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich verändert. Aus den Stallgewölben wurden Event-Stadl, und die Rindviecher sind in einen offenen Laufstall auf freiem Feld umgezogen – „migriert“ muss man fast sagen, denn zugleich hält die Digitalisierung Einzug (Seite 12). Die Melkmaschine ist heute auf dem besten Weg, Antiquität zu werden – wie der Bulldog vom Großvater und das Ochsenjoch an der Stubenwand. Den Stalldienst übernimmt nämlich immer öfter ein Roboter, der die Tiere am Euter erkennt; nur wenn eine der Damen gar nicht angetreten ist, muss der Bauer noch selbst Hand anlegen. Ob er gebraucht wird, sagt ihm eine Smartphone-App. Im Frühjahr wird GPS-gesteuert gesät, im Herbst fährt ein autonomer Erntetransporter neben dem Maishäcksler her. Der Hoferbe, der früher den Beiwagen steuerte, studiert derweil in München, vermutlich Informatik. Und was machen die Landwirte im Winter? Software-Updates, wenn Sie mich fragen.

Quelle: IT-Unternehmen aus der Region (PLZ 8+9) stellen sich vor 2/2018 in c’t 23/18