Willkommen in der WG!

Nur aus Netzperspektive findet Edge Computing „am Rand“ statt. In Wahrzeit ziehen IT und Industrie derzeit zusammen. Wo die Maschinen der Industrie selbst intelligent werden, rückt die IT in die Schaltschränke nach. Autonome Roboter mit hochauflösender 3D-Bildverarbeitung und komplexer Echtzeitsensorik werfen gigantische Datenmengen aus, die ohne Verzögerung verarbeitet werden wollen. Und das geschieht erst einmal am besten direkt vor Ort.

Eine ähnliche Logik gilt für viele Analytics-Ansätze, für Machine Learning, für Smart-City-Szenarien und vor allem für autonome Fahrzeuge. „Solche Anwendungen“, sagt Ariane Rüdiger, „lassen sich ohne Reaktionen in Echtzeit schlicht nicht realisieren.“ Sie hat für die diesmalige Titelgeschichte (Seite 4) recherchiert, welche Edge- und Mikro-RZ-Konzepte es gibt und welche Hersteller auf diesen Markt vorgestoßen sind. Dabei ist gut zu beobachten, dass die autonomen Datacenter im Feld neue Kooperationen geradezu erzwingen. Logisch: Sämtliche Gewerke, die sonst beim RZ-Bau zum Zuge kommen, müssen sich hier zusammenfinden, vom Stahlmantel bis Remote DCIM und von der Kabelführung bis zum KI-Chip.

Apropos Verkabelung: Was sich auf diesem Gebietgetan hat, nicht zuletzt im Bereich vorkonfektionierter Systeme, planen wir derzeit als Schwerpunkt der folgenden Ausgabe 4/2018 für Dezember. Breaking News zum Zeitpunkt dieser Drucklegung ist das Konzept „Data Hub“, mit dem Pure Storage Mitte September an die Öffentlichkeit gegangen ist. Markus Grau erklärt, was der neue Speicheransatz alles leisten will: hohen Datendurchsatz, natives Scale-out, mehrdimensionale Performance und eine massiv parallele Architektur (Seite 8). Am besten liest man das mit einem Seitenblickauf Seite 14. Dort geht es nämlich um den Aspekt Replikation und um die Frage, wie sich RZ mit hybriden Datenbanken vernünftig spiegeln lassen.

Womit wir wieder in der Cloud wären. Zume inen schildert Axel Oppermann, wie sich die Big Seven (oder Eight) der Top-Cloud-Provider den Markt zurechtlegen (Seite 20). Zum anderen gibt es ein interessantes Private-Cloud-Beispiel: die Academic Cloud, mit der Niedersachsen per ownCloud seine Hochschulen versorgt (Seite 23). Der dritte Aspekt betrifft das Infrastrukturmanagement. Richard Hartmann, der Initiator von OpenMetrics, führt anhand praktischer Beispiele vor, was mit Prometheus-Abfragen alles möglich ist (Seite 17). Das darauf aufsetzende OpenMetrics ist seit August ein Sandbox-Projekt der Cloud Native Computing Foundation und wert, dass man es im Auge behält.

Wie üblich berichten wir außerdem aus dem praktischen RZ-Bau: von den typischen Kommunikations- und Planungsfehlern im Vorfeld (Seite 25) sowie vom Windpark Asseln bei Lichtenau im Kreis Paderborn. Dort hat Westfalen Wind ein Datacenter in den Fuß einer Windkraftanlage installiert (Seite 12). Der Ökostrom dazu kommt preiswert und ohne Netzentgelt direkt von oben. Für eine WG ist das erstaunlich aufgeräumt.

Quelle: Rechenzentren und Infrastruktur 3/2018 in iX 10/18