Wie das Data Center der Dinge funktioniert

Es gibt Systemtechniker, die morgens ihr Smart Home verlassen, während hinter ihnen die Heizung bis zum Abend herunterfährt. Am Arbeitsplatz legen sie dann zuerst seufzend den Lichtschalter um, damit die Neonröhren anknistern. Dabei ist die vernetzte Haustechnik nicht wirklich besser und sie besteht allzu oft aus Einzel- und Segmentlösungen mit Spielwarencharakter. Trotzdem wäre in den Rechenzentren bereits sehr viel mehr IP- und SNMP-basierte Steuerung möglich.

Doris Piepenbrink hat sich auf der diesjährigen Light + Building 2016 umgesehen, wie weit die intelligent automatisierte Zweckbausteuerung bereits geht (Seite 20). Das reicht von der LAN-basierten LED-Beleuchtung mit Präsenzmeldern bis zu digitalen Schnittstellen für Einbruchs- und Brandmeldeanlagen. Bei Feuer könnten die Prozesse sicher in redundante Systeme auswandern, und die Anlage würde kontrolliert herunterfahren. Einsolcher Notfall-Shutdown hält auch in virtualisierten Umgebungen, wenn man USV-System und Hypervisor richtig verknüpft (Seite 18).

Überhaupt wird Strom mehr und mehr zur softwaregesteuerten Ressource – schließlich sind Energiekosten ein Argument, das das Controlling auf Anhieb versteht. Dazu erklärt Martin Reinert eingehend, wie der Eco-Modus bei einer Online-USV im Unterschied zur Line Interactive USV funktioniert (Seite 23).

Stromausfälle sind der Schrecken jedes Rechenzentrums, das ist schon richtig. Aber Urlaubsanträge und Krankmeldungen sind noch gefürchteter. Denn die Personaldecke ist vielerorts denkbar dünn, und die meisten RZ-Betreiber würden den letzten Serverschrank am liebsten zur Admin-Schlafkabine umbauen. Vor allem dass neue Kräfte so schwer zu gewinnen sind, gehört zu den drängendsten Problemen der Branche. Der jüngste Studienbericht aus der Optimized-Data-Center-Befragung (Seite 4) zeigt außerdem, dass Routineaufgaben im RZ-Management den größten Ärger machen. In Sachen Backup und Sicherheit sind die meisten Betreiber dagegen schon sehr weit. Allerdings möchte man DDoS-Attacken und massenhaft Bots gar nicht erst an die Server lassen. Was eine vorgelagerte Cloud-Lösung in diesem Punkt leisten kann, erklärt Ralf Gehrke ab Seite 6.

Außerdem klopfen wir in diesem Heft noch einmal die jüngsten Verkabelungsstandards ab, schließlich beruft sich die neue EN50600-X ausdrücklich auf die EN 50173-5, die wiederum die Standards für eine strukturierte Verkabelung auf Patch-Ebenen setzt. Wie solche Topologien aussehen, was bei der Trassenführung zu beachten ist und wie ein kleines LED-Lämpchen für Durchblick bei Wartungsarbeiten sorgt, lesen Sie ab Seite 9.

Anschlusstechnisch könnte unterdessen die IEEE 802.3bm einen Wechsel auslösen, vermutet Kai Wirkus (Seite 14). Denn für Base-8-Kabelsysteme bieten sich dann URM-Steckverbinder an, die deutlich sparsamer mit dem Dämpfungsbudget umgehen. Der Grund dafür liegt in der Physik der Herstellung, bei der jede einzelne Faser poliert werden kann.

André Engel ergänzt weitere wichtige Punkte, bei denen die Verarbeitung die Qualität der Netzwerkkomponenten entscheidend bestimmt: Goldauflage, Kontaktpresshöhen, Micro- und Macrobending und nicht zuletzt die Anzahl der Steckzyklen. Darum gehören fertige Installationen auch sauber durchgemessen, und zwar nicht nur stichprobenartig. Sparen können Sie an anderer Stelle besser und sinnvoller, zum Beispiel bei der Server-Beschaffung (Seite 19) oder mit einer trickreichen Kombination von Blockheizkraftwerkund RZ-Klimatisierung, wie sie die Stadtwerke Schönebeck an der Elbe gebaut haben (Seite 25).

Im Sommer wandelt eine Adsorptionskältemaschine die Wärme in Kühlenergie für den IT-Kaltwasserkreis um. Für jetzt in der Übergangszeit ist das Nutzungsverhältnis bedarfsgenau regelbar, im Winter übernimmt dann der Freikühler die Server. So funktioniert Gebäudetechnik für Rechenzentren!

Quelle: Rechenzentren und Infrastruktur 3/2016 in iX 9/2016