Was meine Stasi-Unterlagen über mich verraten

TJ am Alex

Vorige Woche erhielt ich wenige Jahre nach Antragstellung meine Stasi-Akte. Hut ab, was „Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“ (DDR) über seine Außenstellen in Halle (Saale) und Frankfurt (Oder) über mich zusammenkratzen konnte.

Die Akte umfasst immerhin 111 Seiten. Darin enthalten sind ein umfangreiches Anschreiben (6 Seiten), eine Kostenaufstellung (2 Seiten) sowie ein „Hinweisblatt zum Antrag auf Gewährung einer besonderen Zuwendung (Opferpension) nach § 17a Strafrechtliches Rehabilitierungsgesetz (StrRehG)“ (4 Seiten). Viele Seiten sind stasibürokratische Formalien, die der Aktenorientierung dienen – wenige offenbaren, warum die Stasi sich für mich interessierte.

Nur eine Seite ist mir peinlich, weil erklärungsbedürftig. Sie handelt von einem geklauten Moped, das meinen eigentlichen Plan viel zu früh hätte durchkreuzen können. Neun Seiten betreffen zwei sehr persönliche Briefe von mir, die ich beide aus dem Westen (!) geschrieben hatte, und die auf ihrem Weg in den Osten abgefangen wurden. Auf drei Seiten geht es um zwei gereimte Texte und eine Stellungnahme, für die man damals in den Bau wandern konnte. Eine Seite zeigt zwei Fotos, als ich im Sommer 1982 am Alex observiert wurde. Der Rest ist Vopo/Stasi-Bingo.

Unterm Strich kann ich nach 32 Jahren immer noch in den Spiegel schauen: Meine Flucht war genial einfach, das Glück erzwingend und relativ kurzweilig. Wenn erfahrene Stasi-Akteure über einen 18 Jahre jungen Staatsfeind zu dem Schluss gelangen:

„Sachlichen Argumenten verschließt sich der […] und wertet sie als Zweckpropaganda ab. Während des […] wird der […] einen erheblichen Schwerpunkt darstellen. Emotional ist er nicht ansprechbar. Negativ-Verfestigte Einstellung; Eine Beeinflussung anderer […] ist zu erwarten.“

Dann muss ich mich doch einigermaßen wacker geschlagen haben. Wer in meine Stasi-Akte schauen möchte, gelangt über diesen passwortgeschützten Link an das mit 300 dpi gescannte PDF (274,3 MB) und an eine weboptimierte OCR-Version (14,3 MB) zum Download. Wer kein Passwort hat, kann sich über unser Kontaktformular vertrauensvoll an mich wenden. Von voyeuristisch motivierten Anfragen ohne würdigen Hintergrund bitten wir abzusehen. Fortsetzung folgt.