Was ein Bürohengst von der Apple Watch hält und warum ;-)

Troll mit Apple Watch

Seit meiner zweiten Ausbildung vor 30 Jahren sitze ich am Schreibtisch. Die meiste Zeit als Programmierer, Journalist und Sesselfurzer im Quadrat. Die ersten 30 Jahre meines Lebens war ich ein eher langer und dürrer Kerl. Dann kamen die fetten Jahre: Zwischen 30 und 45 ging ich auf wie ein Hefekloß.

In der schlimmsten Phase wog ich mit 192 cm Körpergröße satte 105 kg. Langsam aber sicher bekam ich sogar Titten. Midlife-crislich alarmiert strampelte ich mich auf 99 kg zurück. Dann ging ich vorsorglich zum Arzt. Der bescheinigte mir u.a. Übergewicht, unschöne Blutwerte und einen kurzen Rest vom Leben – wenn ich nichts dagegen tue.

Meine Frau zwang mich zu bewusster Ernährung ohne Süßigkeiten und verhinderte Feierabendbier an ganz normalen Werktagen. Bei der Gelegenheit tauschte ich meine GSX 1300 R gegen ein 29er von Corratec, ging ab sofort so viel wie möglich zu Fuß, vermied Aufzüge und stellte mich so gut wie jeden Morgen vor dem Duschen auf den Crosstrainer. Dieses Jahr werde ich 50, wiege 81 kg und bin fit wie ein Turnschuh.

Seit ein paar Jahren protokolliere ich meine Körperwerte regelmäßig auf einem iPad. Dann kamen die Fitnessbänder, auf die ich als Halskettchen- und Armbändchen-Verweigerer jedoch keinen Bock hatte. Außerdem habe ich mich vom Fummel-Computing längst verabschiedet: Seit 2005 kommt mir kein Rechner mehr ins Haus, der keinen Apfel im Logo hat.

Als die Apple Watch kam, dachte ich zuerst genau wie beim iPod, iPhone und iPad: Was für’n Scheiß, den kein Mensch braucht. Dann habe ich das iZeug gekauft und konnte nicht mehr ohne. Die Watch kam gestern. Eine Sport-Version im 38-mm-Gehäuse mit blauem (!) Armband. Die Einrichtung dauerte keine zehn Minuten. Nach 20 Minuten Herumspielen die erste Probe aufs Exempel: Fußmarsch mit Zugfahrt in einen mir bis dato unbekannten Biergarten nach Rosenheim. Die Handgelenk-Navi war der Hammer. Maximal miniaturisiert, erwartungsgemäß zielsicher und angenehm unauffällig machte sie ihren Job. Kein peinliches aufs iPhone starren, sondern gelegentliches auf die Uhr schauen — und die Richtung war klar.

Abends meine körperlichen Aktivitäten eines halben Tages ausgewertet: Bingo — fast alles im grünen Bereich. Heute Morgen wie gehabt auf den Crosstrainer. Nur diesmal mit Uhr. Auswertung am iPhone. Alles da. Mit Health Importer hatte ich vor ein paar Tagen meine Aufzeichnungen der vergangenen Jahre ins iPhone importiert, die sich nun nahtlos in die Messungen der Apple Watch einreihen. Das Ganze ohne lästiges Fummeln, Stöpseln und Konfigurieren. Sehr viel mehr kann und möchte ich über die Watch gar nicht sagen. Weil sie genau das macht, was ich mir als Bürohengst von ihr versprochen habe: Mich im Einklang mit meinem iKram dezent zur Fitness motivieren, ohne mir auf den Zeiger zu gehen. An die Ladezyklen werde ich mich genauso gewöhnen wie an regelmäßiges Fahrradfahren, ergonomische Arbeitshocker und Flüssigkeiten ohne Zucker. Fortsetzung folgt.