Was Rechenzentren in Zukunft leisten werden

Rechenzentren und Infrastruktur 1/2014
Rechenzentren und Infrastruktur 1/2014

Was haben das Utah Data Center, Moore’s Law und die Mondlandung gemeinsam? Keine Sorge – wir möchten Sie nicht mit der vermeintlichen Überraschung des Jahres 2013 nerven, dass wir doch tatsächlich alle bis auf das letzte Bit ausspioniert werden. Es geht um essenzielle Leistungsdaten, die in dieser Beilage eine ganz besondere Rolle spielen.

Rechenzentren sind Stromfresser. Für eine Million US-Dollar pro Monat soll die Serverfarm im Mormonenstaat Energie verbrauchen. Genug, um eine Stadt mit 20.000 Einwohnern mit Strom zu versorgen. 100.000 bis 150.000 Quadratmeter Raum für Server und 65 Megawatt Strom sowie 4500 Liter Kühlwasser soll die Anlage brauchen – „pro Minute“, schreibt der Spiegel. „Die Baukosten werden auf 1,5 bis 2 Milliarden Dollar geschätzt“. Man sei nicht sicher, ob die Kosten für IT-Hardware enthalten sind.

Man muss deshalb kein Öko-Verfechter sein, um das Thema Energie und Stromversorgung so wie wir ganz besonders zu mögen – womit wir beim ersten Thema wären: „Sicherer Strom für die IT“ heißt es wegen der Energiewende aus aktuellem Anlass in den News auf Seite 4. Welche Faktoren bei der Wahl einer USV heutzutage zu berücksichtigen sind, hat Michael Schumacher von Schneider Electric für uns zusammengefasst.

Wo es auf unterbrechungsfreie Stromversorgungen ankommt, stellt sich automatisch die Frage, ob Rechenzentren überhaupt eine umweltfreundliche Zukunft haben können. Roel Castelein von The Green Grid wagt ab Seite 6 die Antwort: Acht Schritte seien Experten zufolge nötig, um Rechenzentren zu grüner IT zu verhelfen.

Der Neubau, über den Peter Wäsch von Schäfer IT-Systems ab Seite 12 berichtet, kann zugegebenermaßen nicht mal dem Pförtnergebäude vom Utah Data Center das Wasser reichen, das allein 14 Millionen US-Dollar gekostet haben soll. Aber seine Kühlung bringt Wärme in Büro und Wohnung – Energieeffizienz aus einer Hand sozusagen.

Bleiben wir beim Thema Kühlung: Drum prüfe, wer sich ewig bindet, schreiben Stephan Hülskamp und Sebastian Beyer von Stulz auf Seite 14. Angesichts steigender Strompreise kann ihren Erfahrungen nach ein prüfender Blick auf die Klimatechnik, etwa in Form eines sogenannten Witness-Tests, nicht schaden.

Warum ein zukunftsfähiger Business-Continuity-Plan die USV-Systeme unbedingt einbeziehen muss, hat Dr. Peter Koch von Emerson Network Power auf Seite 18 herausgefunden. Denn Stromausfälle sind zwar selten, Spannungsschwankungen jedoch nicht.

Jörg Rosengart von Equinix ist davon überzeugt, dass eine Brennstoffzelle den Primärenergiebedarf eines Rechenzentrums um ein gutes Viertel senken kann, was er auf Seite 21 zum Gegenstand seines Beitrags macht. In Modellprojekten hätten sich Einsparungen von 600.000 Kilowattstunden jährlich ergeben.

Bürgernah geht es ab Seite 23 zu: Michael Nicolai und Patricia Späth von Rittal berichten über das Rechenzentrum für das Landratsamt im Landkreis Leipzig. Um einen Worst Case zu verhindern, hat die Behörde ihre Daten für den gesamten Landkreis nach neuesten Erkenntnissen zentralisiert.

Kommen wir zum Schluss und werfen einen noch detaillierteren Blick hinter die Kulissen. Uwe Scholz, freier Journalist aus Berlin hat sich Switches für High Performance Computing im Europäischen Labor für Molekularbiologie in Heidelberg näher angeschaut. Viele der 3000 Netzwerkports dort werden mit 10 Gigabit Ethernet betrieben, wo ein Servercluster aus 2500 Knoten Anschluss findet (Seite 25).

Vergleicht man, mit welcher rudimentären EDV-Technik die ersten Amerikaner 1969 auf dem Mond gelandet sind und was heutzutage Smartphones leisten, kann man sich grob vorstellen, wohin die technische Reise künftiger Rechenzentren in Europa gehen wird. Für Otto-Normalanwender gibt es nur einen Weg, sich dem digitalen Exponentialdrift zu entziehen: Den Ausschalter drücken und die Natur genießen, solange beide funktionieren.

Quelle: Rechenzentren und Infrastruktur 1/2014 in iX 2/2013