Was gegen das Buch von Kerstin Apel spricht

Bild: iPad-Screenshot
Der Kreuzworträtselmord – Die wahre Geschichte von Kerstin Apel

Habe das Buch „Der Kreuzworträtselmord – Die wahre Geschichte“ gelesen, weil der ermordete Junge aus dem Häuserblock kam, in dem ich bis 1975 als Kind wohnte und weil der Mord in der Nähe geschah, wo ich 1981 als Jugendlicher lebte. Wollte wissen, wie die Autorin mit einem Thema umgeht, über das in den Medien hinlänglich berichtet wurde. Wenn das wahr ist, was sie schreibt, nämlich dass sie zumindest teilweise Zeugin des Mordfalls war und bei der Beseitigung der Leiche geholfen hat, braucht sie sich wirklich nicht zu wundern, wenn sie über 30 Jahre danach sich dafür verantworten müsste. Das wäre dann wohl die Fortsetzung der Geschichte, wenn die Story nebst Schlagzeile in der Bild-Zeitung kurz nach Erscheinen des Buchs kein abgekarteter PR-Gag sind.

Dass sie traumatisierte Zeugin der finalen Tötung nach den ersten Mordversuchen gewesen sein könnte, kann ich mir vorstellen. Aber wenn in der Wohnung tatsächlich so geschrien wurde, wie sie schreibt, dann hätten es die Nachbarn in den hellhörigen Neubauten hören müssen. Und das wäre nicht unerwähnt geblieben, weshalb ich Zweifel habe. Es schmerzt beim Lesen, wie das halbtote Kind in der Badewanne verreckt, während die angebliche Zeugin mit dem Mörder streitet anstatt zu helfen. Wenn das wirklich so war, möchte ich nicht in der Haut der Autorin stecken.

Unabhängig davon ist das Buch wie ein Groschenroman handwerklich solide geschrieben und in wenigen Stunden durchlesbar. Die Autorin nervt jedoch mit ihrem buchstäblichen Journalistengehabe. Mehrfach betont sie, was für eine tolle Journalistin die Zigaretten rauchende und Mojito trinkende Journalistin ist. Und wie deppert andere Journalisten sind. Der Chefredakteur, die Tageszeitung und die Akteure bedienen Klischeevorstellungen, die mir meinen eigenen Beruf (Fachjournalist) schon immer verleidet haben, wenn ich ihnen begegne. Außerdem gerät die heutige Sprache mit der damaligen durcheinander: Vom „Arbeitgeber“ hat kein DDR-Bürger gesprochen. Und „Beamte“ waren damals staatliche Organe, die bestenfalls Vernehmer, Stasi, Kripo oder Vopo hießen.

Wenn ich keine persönliche Nähe zum Thema (DDR, Halle-Neustadt, Kindheit) hätte und wenn die E-Version des Buches nur einen Cent mehr kosten würde, hätte ich dieses Buch nicht gekauft. Die Stadt, der Mordfall und die Zeit, in der das Verbrechen geschah, haben eine intensivere Auseinandersetzung verdient als die vermeintlich abenteuerlichen Recherchen einer Hemingway verehrenden, weil Mojito saufenden (?) Journalistentussi, die mehr Klischees bedient als ein so dünnes Buch vertragen kann.