Open Source kann eine Menge Geld kosten

Mitte Januar war ich auf dem Kongress Open Source Meets Business in Nürnberg. Die Veranstaltung war sehr hilfreich. Als einer der Moderatoren der zahlreichen Vorträge bekam ich mehr Einblick in die Komplexität von Open Source in Unternehmen, als mir lieb war.

Viele Erfahrungen in den Berichten mit beispielhaften Kostenrechnungen konnte ich bestätigen. Eines der zentralen Anliegen bei der Gründung meiner GmbH im Jahr 2006 war der lange vorbereitete Einsatz von Open Source. Nicht nur, um Investitionen zu sparen, sondern auch, um die Nachhaltigkeit von Open Source unter realen Geschäftsbedingungen dokumentieren und im MittelstandsWiki berichten zu können.

Am Anfang hieß der Ansatz, das MittelstandsWiki solle eine „100% Open Source Company“ sein. Deshalb entschied ich mich für die Software MediaWiki, WordPress, phpAdsNew und SugarCRM auf einem Linux-Server mit Apache, PHP und MySQL (LAMP).

Was im Web mit Open Source komplett realisierbar ist, gestaltet sich im Redaktionsmanagement, in der Buchhaltung und in der Kommunikation des dezentral organisierten Teams aus freiberuflichen Mitarbeitern wesentlich schwieriger. In der Firma selbst kommen keine Windows-PCs, sondern Apple- Computer mit Mac OS X, Debian Linux und Ubuntu zum Einsatz. Windows XP läuft lediglich zum Test von Explorer-Ausgaben auf virtuellen PCs unter Mac OS X. Neben Open Office verwenden wir – nach 20 Jahren Berufserfahrung überwiegend aus Gewohnheitsgründen – Microsoft Office für Mac.

In der Buchhaltung haben Anwendungen und Schnittstellen der externen Dienstleister Vorrang, in denen Open Source keine Rolle spielt. Die Themenplanung wird mit Google Text & Tabellen realisiert. Während die Redaktionsleitung via Skype kommuniziert, sind Änderungen im Themenplan via Google Text & Tabellen für alle Beteiligten in Echtzeit nachvollziehbar. Beide Anwendungen sind wie Microsoft Office keine Open-Source-Programme. Zwar gibt es Alternativen. Doch die haben im täglichen Einsatz auf gemischten Systemen mehr Zeit gekostet als Kosten gespart.

Dabei ist es nach zwei Jahren Dauereinsatz bis heute geblieben. Auch der uneingeschränkte Einsatz von Open Source auf unserem Webserver hat Risiken und Nebenwirkungen. Die Update-Intervalle von MediaWiki, WordPress, Openads und SugarCRM haben sich derart beschleunigt, dass die Programmpflege von einem Mitarbeiter nebenbei kaum zu schaffen ist. Unerwartete Probleme bereiten Patches, Plug-Ins und Erweiterungen, die selbst nach harmlosen Softwareaktualisierungen, Security-Updates und Bugfixes entweder nicht mehr funktionieren oder Kettenreaktionen auslösen, die das gesamte Projekt gefährden können.

Früher oder später stellt sich die Frage, von wem man auf Dauer lieber abhängig sein möchte: Von professionellen Programmierern in Systemhäusern, die sich mit proprietären Lösungen auskennen, oder von ambitionierten Programmierern, die mit langzeitigen Open-Source-Erfahrungen ebenfalls gut und teuer zu bezahlen sind, wenn man sie bei der Stange halten will.